In der vergangenen Woche habe ich mich an (fast) jedem Ort, den ich besucht habe, bei foursquare eingecheckt. Ich nutze dafür die foursquare-App auf meinen Android-Smartphone, und mit diesem kleinen Selbstversuch wollte ich ausprobieren, welchen Nutzen dieser Location Based Service für mich persönlich hat und ob er bereits von vielen Unternehmen in Deutschland genutzt wird. Aber fangen wir besser mal ganz vorne an…
Was ist foursquare?
Mit foursquare kannst Du Dich in der echten Welt besser zurechtfinden. Wir bauen Tools, damit Du mit Freunden in Kontakt bleiben, neue Dinge in Deiner Nähe entdecken, Geld sparen und besondere Angebote freischalten kannst. Egal ob Du auf Weltreise gehst, einen Abend mit Freunden organisierst oder einfach wissen willst, was das beste Gericht im Restaurant um die Ecke ist, foursquare ist Dein perfekter Begleiter, der Dir das Leben in der echten Welt einfacher macht.
foursquare in Zahlen (aktueller Stand: Januar 2012)
Community: Über 15 Millionen Leute weltweit
Über 1,5 Billionen Check-ins und jeden Tag kommen Millionen neuer Check-ins dazu
Unternehmen: Über 600.000 nutzen die Händler-Plattform (mehr Infos bei foursquare.com/business)
Mitarbeiter: Über 100; verteilt auf unseren Hauptsitz in New York, NY und unser Büro in San Francisco, CA
Bei der Zahl der Check-ins würde ich mal vermuten, dass hier die amerikanische Billiarde mit der deutschen Milliarde verwechselt wurde, aber ich mag mich täuschen.
Mein Selbstversuch lief im Zeitraum vom 29. Januar bis zum 4. Februar 2012, und an diesen Orten habe ich mich jeweils eingecheckt:

Datenschützer und auf Privatsphäre bedachte Menschen bekommen bei dieser Liste vermutlich eine Gänsehaut, und nicht ganz zu unrecht gibt es auch Websites wie z.B. Please rob me, die auf die Gefahren der zu freizügigen Veröffentlichung seines Standortes hinweisen. Immerhin sende ich mit jedem Check-in die Botschaft, dass ich gerade nicht zu Hause bin, was für Einbrecher natürlich einen nicht unwillkommene Information darstellen kann. Aber wenn man davon mal absieht gibt es auch gute Gründe für die Nutzung von solchen Local Based Services wie foursquare – sowohl für Unternehmen als auch für private Nutzer.
foursquare für private Nutzerinnen und Nutzer
Wenn ich mich an einem Ort einchecke wird mir z.B. angezeigt, ob sich zu diesem Zeitpunkt noch andere Personen an diesem Ort eingecheckt haben – vielleicht sogar Personen, die in meiner foursquare-Kontaktliste stehen. Außerdem kann ich meinen Check-in ganz einfach auch auf Facebook und Twitter veröffentlichen, was oben genannten Datenschützern vermutlich die Tränen in die Augen treibt.
Ich kann Tipps für Orte hinterlassen und selber auch Tipps von anderen Personen lesen, die diesen Ort schon einmal besucht haben – sei es ein Hinweis auf ein besonders leckeres Gericht in einem Restaurant oder ein Tipp für ein gutes Café in einer fremden Stadt. Außerdem kann ich so auch neue Orte entdecken, die mir von meinen foursquare-Kontakten empfohlen werden. Wenn ich möchte, informiert mich foursquare auch über jedes Check-in meiner Kontakte, was dazu führt, dass ich jederzeit einen Überblick über deren Aufenthaltsort bekommen kann. foursquare hat in dieser Hinsicht also eine starke soziale Komponente, da es durchaus als Mittler für “wirkliche” Treffen gesehen werden kann.
foursquare für Unternehmen
Für Unternehmen eröffnet foursquare die Möglichkeit, mit seinen Kunden direkt zu interagieren und treue Kunden zu belohnen – denn wer sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums am häufigsten an einem Ort (einem Unternehmen) eincheckt, wird zum “Bürgermeister (Mayor)” dieses Ortes erklärt. Einige Cafés bieten Ihren “Bürgermeistern” inzwischen z.b. kostenlosen Kaffee an. Durch solche Anreize entsteht durchaus eine Motivation, sich häufig an einem Ort einzuchecken, um auch in den Genuss dieses Vorteils zu kommen. So entsteht eine spielerische Wettbewerbssituation, die auch gern als Gamification beschrieben wird.
Diese Übertragung von spieltypischen Elementen und Prozessen in eigentlich spielfremde Bereiche wird in den kommenden Monaten und Jahren noch deutlich an Bedeutung gewinnen, da so auf interessante und noch unverbrauchte Weise tatsächlich Verhaltensänderungen und auch Motivationssteigerungen erreicht werden können.
Außerdem müssen sich Unternehmen auch immer bessere Methoden einfallen lassen, mit denen sie sich von ihren Mitbewerbern abheben und interessante Erlebnisse anbieten können. Nicht zu unrecht beschreibt foursquare seinen Service für Unternehmen deshalb so:
Millionen Male pro Tag verwenden Benutzer foursquare, um einzuchecken und ihren aktuellen Standort zu teilen. Egal ob es sich um das Ausprobieren eines neuen Restaurants, ein Treffen mit Freunden oder den Besuch einer Boutique handelt – sie berichten von ihren Erlebnissen und teilen sie. Als Unternehmen oder Marke bei foursquare kann man ein großer Bestandteil dieses Erlebnisses werden.
Wenn ein Unternehmen weiß, dass sich ein Kunde gerade in seinem Geschäft eingecheckt hat, kann es diesem Kunden natürlich einerseits sehr zielgerichtete Werbung zeigen oder auf spezielle Rabatte hinweisen, aber das Unternehmen könnte diesem Kunden auch noch darüber hinaus seine Wertschätzung zeigen und ihn z.B. an interessanten Aktionen beteiligen – oder allgemeiner gesagt – in eine positive Interaktion treten. Verschiedene Beispiele dazu liefert foursquare auf der Website für Unternehmen gleich mit.
Fazit
In Deutschland wird der Service aber bisher noch nicht von vielen Unternehmen genutzt. So wird meiner Meinung nach eine gute Möglichkeit der Kundenbindung bisher noch vernachlässigt, die dazu noch sehr einfach, schnell und kostenlos genutzt werden kann.
Die Nutzung von Location Based Services wird stetig zunehmen, nicht zuletzt weil immer mehr Menschen ein Smartphone besitzen – in Deutschland wurden inzwischen mehr als 20 Millionen Geräte verkauft, davon allein 11,8 Millionen im Jahr 2011. Bevor die ganze Geschichte also wirklich groß wird und auf einmal wieder alle Unternehmen ganz schnell auf den Zug aufspringen wollen, sollten sie lieber jetzt schon eigene Erfahrungen damit sammeln und eine eigene Strategie entwickeln, mit der sie sich dann sinnvoll in diesem kommenden Massenphänomen platzieren können.
Und wer es bis hierher geschafft hat soll auch belohnt werden: Wer sich als nächstes (natürlich außer mir) im Konzept:Sinn HQ auf foursquare eincheckt, wird von mir zum fair gehandelten Bio-Kaffee eingeladen.