Seit ich mich dazu entschlossen habe, nach meiner Elternzeit als selbständiger Webdesigner und Onlinekonzepter zu arbeiten, werde ich oft nach den Gründen gefragt. Dabei schwingt auch oft ein gewisses Unverständnis mit, warum ich denn als Vater von zwei kleinen Kindern so ein hohes Risiko eingehe und mir keinen “sicheren” Job suche. In diesem Posting versuche ich, Antworten auf diese Fragen zu geben und meinen Blick auf die Wirklichkeit zu erklären.
Ich bin seit 1995 online. Damals noch mit Hilfe von AOL und ohne Ahnung vom Netz, dass es neben der eigenen AOL-Welt ja auch noch gab. Meine erste Website habe ich 1996 gebaut, auch bei AOL. Zusammen mit einem Freund habe ich einfach jede Menge sinniges und unsinniges Zeugs ins Netz geschrieben, und damit im gleichen Jahr noch den AOL Web Award gewonnen. Damals hat das noch kaum jemanden interessiert, und ich habe mir selber auch nicht viel dabei gedacht.
In den folgenden Jahren habe ich immer wieder für mich und andere Leute Websites gebaut, dabei aber nie ans Geldverdienen gedacht. 1998 habe ich mir dann selber HTML beigebracht. Ich wollte den Code, den die Editoren produzierten, besser verstehen und anpassen können. Das hat mir auch dabei geholfen, viele Jahre später relativ schnell PHP zu lernen.
2003 habe ich begonnen, mich mit PHP-basierten Content Management Systemen zu beschäftigen. Angefangen habe ich mit PHPnuke, bin dann aber sehr schnell zu WordPress gewechselt – und arbeite nun seit 7 Jahren intensiv damit.
Im Jahre 2004 habe ich angefangen, mit Learning Management Systemen, insbesodere moodle, zu arbeiten. Ich habe als Student, und später als Mitarbeiter in europäischen Medien- und Onlineprojekten, umfangreiche Lernumgebungen konzipiert und realisiert. Ebenfalls 2004 habe ich während meines Praxissemesters an der Uni Umea in Nordschweden viele Blogger kennengelernt, die mein Interesse an Blogs und Onlinekommunikation endgültig geweckt haben. Für eine kurze Zeit war ich sogar Gastblogger bei Howard Rheingolds “Smartmobs”, aber diese Chance habe ich damals nicht zu nutzen gewusst.
2006 habe ich dann den Studiengang “Logistik & E-Business” am RheinAhrCampus Remagen abgeschlossen. Im Studium habe ich mich weiterhin auf Onlinekommunikation und E-Business bzw. E-Commerce konzentriert und mein Erfahrungsspektrum in diesen Bereichen erweitert. Nach dem Studium habe ich weiterhin in mehreren internationalen Onlineprojekten und als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Unternehmensführung und Organisationsentwicklung gearbeitet. Ich habe mich dabei intensiv mit Themen wie virtueller Führung, Selbstorganisation und den Auswirkungen des Netzes auf betriebliche Führungs- und Kommunikationsprozesse beschäftigt. In dieser Zeit bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass das Netz die Art wie wir leben, arbeiten, teilen, handeln und denken grundlegend verändern, oder genauer gesagt verbessern, wird.
Im Mai 2009 wurde ich dann Projektmanager bei der nexum AG, einer der größten Onlineagenturen in Deutschland. Dort habe ich große Onlineprojekte für Kunden wie REWE oder die Schweizer Coop AG realisiert. Dabei habe ich jedoch schnell bemerkt, dass ich mit solchen Kunden nicht arbeiten möchte. Mir ist klar geworden, dass ich mit Handelswerbung die Welt nicht besser mache, und deshalb habe ich die Chance genutzt und mit der Geburt meines zweiten Kindes eine einjährige Vaterpause eingelegt. Diese nähert sich nun dem Ende, und ab Oktober 2010 werde ich selbständig arbeiten.
Warum?
Weil ich es kann. Weil ich heute den Markt, die Werkzeuge, die Methoden, die Theorie und die Praxis sehr gut kenne. Weil ich nun die Sicherheit und das Selbstvertrauen habe. Weil ich flexibel und ortsunabhängig arbeiten will. Weil ich wertvolle Zeit mit meinen Kindern nicht nur am Wochenende verbringen will. Weil die Zeit reif ist, die Dinge selber in die Hand zu nehmen.